Unsere Historie

HAKIM: Unsere Entstehungsgeschichte

In der Corona Pandemie, ungefähr zu Beginn der zweiten Welle, ging eine mediale Debatte durch Deutschland, in der muslimische und migrantische Menschen plötzlich als Gruppe ins Visier gerieten. Es wurde mit Unterstellungen gearbeitet wie: man halte sich nicht an Maßnahmen, man feiere große Hochzeiten, man sei verantwortlich für steigende Zahlen. Und dann kamen zugespitzte Behauptungen über Intensivstationen hinzu, die so klangen, als wären sie gesicherte Fakten, obwohl es dafür keine belastbare bundesweite Datengrundlage gab. 

Was uns daran so getroffen hat, war nicht nur der Ton. Es war dieses Gefühl: Wir sind mitten im System, wir tragen es mit, wir halten es in Krisen mit am Laufen, und trotzdem wird über uns gesprochen, ohne dass wir als ernstzunehmender Gesprächspartner auftreten.

Denn wir haben das nicht von außen beobachtet. Viele von uns standen in dieser Zeit selbst an vorderster Front: auf Station, in der Notaufnahme, in der Praxis, in Pflege und Therapie, im Rettungsdienst. Wir haben gesehen, was es heißt, wenn ein System an seine Grenzen kommt. Wir haben gesehen, wie Kolleginnen und Kollegen aus unseren Familien und Communities Verantwortung übernommen haben. Und wir haben gespürt, wie groß dieses Potenzial eigentlich ist.

Und dann kam dieser zweite Punkt, der für uns fast noch entscheidender war: Als diese pauschalisierenden Behauptungen öffentlich wurden, waren es andere, die dagegenhalten mussten. Nicht wir als muslimische Gesundheitsberufe.

Sondern Institutionen wie das Robert Koch Institut und die DIVI, die öffentlich klargestellt haben, dass solche pauschalen Zahlenbehauptungen bundesweit nicht belastbar sind, unter anderem weil entsprechende Merkmale im Meldesystem nicht systematisch erfasst werden. 

Wir waren dankbar, dass die DIVI und das RKI sich dem entgegen gestellt haben. Und gleichzeitig war es beschämend und ernüchternd, weil es uns etwas Offensichtliches gezeigt hat: Wir sind zahlenmäßig stark vertreten, aber wir sind nicht organisiert genug, um uns selbst professionell zu vertreten. Wir waren Gesprächsthema, aber nicht Gesprächspartner. Wir waren abhängig davon, dass andere für uns sprechen.

Genau diese Erkenntnis war für das spätere Gründungsteam prägend. Nicht als Affekt. Sondern als strategische Konsequenz: Wenn wir ernst genommen werden wollen, brauchen wir Struktur. Wenn wir gehört werden wollen, brauchen wir ein Sprachrohr. Wenn wir Verantwortung tragen, müssen wir auch Verantwortung in der öffentlichen Debatte übernehmen können.

So ist HAKIM entstanden: als Rat muslimischer Ärzte und Heilberufler. Damit wir nicht nur Gegenstand von Diskussionen sind, sondern selbst verlässlich und fachlich mit am Tisch sitzen.

Quellen und Einordnung

  1. CORRECTIV.Faktencheck (04.03.2021): Einordnung der Behauptungen zu „90 Prozent“ und zur fehlenden bundesweiten Datengrundlage; Hinweis, dass dem RKI hierzu generell keine Daten vorliegen und die nach § 11 IfSG übermittelten Daten keine Informationen zu Migrationshintergrund enthalten. (correctiv.org)
  2. Berliner Zeitung (04.03.2021): Einordnung der Debatte, inklusive RKI Aussage zur fehlenden Erfassung entsprechender Merkmale im Meldesystem; zudem Hinweis auf fehlende belastbare Zahlen. (Berliner Zeitung)
  3. taz (06.03.2021): Darstellung der öffentlichen Debatte und Hinweis, dass die DIVI der „90 Prozent“ Behauptung widersprochen hat, unter anderem mit Verweis auf fehlende Daten. (taz.de)

Warum HAKIM gebraucht wird?

HAKIM gibt muslimischen Ärztinnen, Ärzten und Heilberufe eine gemeinsame Stimme. Wir bringen islamische Werte, medizinische Exzellenz und gesellschaftliche Verantwortung zusammen, in Kliniken, Praxen und öffentlichen Gremien.